Inkontinenz: Ursachen und Behandlungsmethoden

Inkontinenz, auch als "Blasenschwäche" bekannt, ist eine weitverbreitete Krankheit, die Männer wie Frauen in jedem Alter treffen kann. Laut dem Selbsthilfeverband Inkontinenz leiden in Deutschland circa fünf bis acht Millionen Menschen an einer Form von Inkontinenz. Es wird jedoch angenommen, dass die Dunkelziffer in diesem Bereich weitaus höher ist. Viele Betroffene schämen sich und suchen deswegen keinen Arzt auf, obwohl es viele verschiedene Therapieansätze gibt, um dem ungewollten Wasserlassen entgegenzuwirken.


 

Die Ursachen von Inkontinenz


 

Das zentrale Organ, das unsere Harntätigkeiten steuert, ist die Harnblase. Sie ist von einer Muskulatur umgeben, die durch das Nervensystem gesteuert wird. Werden die beteiligten Nerven beschädigt, beispielsweise durch einen Unfall mit anschließender Querschnittslähmung, bei fortgeschrittener Diabetes oder während einer Operation, so kommt es zum Kontrollverlust des Harndrangs.

Die häufigste Ursache für eine Blasenschwäche ist ein Harnwegsinfekt in Form einer Blasen- oder Nierenbeckenentzündung. Zudem können schwere Infektionskrankheiten wie Lungenentzündungen, schwere Verstopfung und der übermäßige Genuss von Alkohol und koffeinhaltigen Getränken vorrübergehend zu einer Inkontinenz führen.

Es ist ärztlich belegt, dass die Harnblase mit fortgeschrittenem Alter weniger dehnbar wird, wodurch es schneller zum Harndrang kommt. Außerdem leiden viele ältere Frauen unter einem Östrogenmangel, der den Verschluss der Harnblase undicht werden lassen kann. Bei Männern hingegen führt eine vergrößerte Prostata zu einer Einengung der Harnröhre und damit zu einem erhöhten Druck auf die Blase.


 

Drei Formen der Inkontinenz: Stressinkontinenz, Drang- oder Urge-Inkontinenz und Überlaufinkontinenz


 

Genauso verschieden wie die Ursachen sind die Arten der Inkontinenz. Eine generelle Einteilung unterscheidet zwischen drei Typen, die auch in Kombination auftreten können.

 

Stressinkontinenz

Ursachen

Unter dieser Form der Inkontinenz leiden besonders häufig Frauen in der Schwangerschaft. Die Ursache hierbei liegt in der körperlichen Anstrengung bzw. Belastung und dem damit entstehenden Druck auf die Blase. Gerade in den letzten Wochen der Schwangerschaft übt zudem die vergrößerte Gebärmutter enormen Druck auf die Harnblase aus und erfordert so häufige Toilettengänge.

Medizinische Untersuchungen belegen, dass Männer im Allgemeinen seltener an Inkontinenz leiden. Nur jeder zehnte Mann hat in seinem Leben irgendwann einmal mit einer Blasenschwäche zu tun, während es jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens trifft. Eine Operation an der Prostata, bei der die Harnröhre oder der untere Teil der Harnblase beschädigt wurde, verursacht auch bei Männern eine Inkontinenz, die behandelt werden muss.

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen werden die Symptome durch Übergewicht und eine schwache Muskulatur im Beckenboden weiter verstärkt.

 

Drang- oder Urge-Inkontinenz

Ursachen

Bei dieser Form der Inkontinenz ist der Verschluss der Blase intakt und funktionstüchtig, während die Harnblase an sich das Problem verursacht. Ein plötzliches und grundloses Zusammenziehen der Blase führt zu sofortigem Harndrang und ihrer ungewollten Entleerung.

 

Überlaufinkontinenz

Ursachen

Die Ursache für Überlaufinkontinenz ist eine Harnentleerungsstörung. Das bedeutet: Die Blase wird nicht richtig entleert und es verbleibt stets Resturin darin. Das hat wiederum ein kontinuierliches Urintröpfeln zur Folge, das sich verstärkt, wenn Druck auf den Unterbauch ausgeübt wird.

Diese Form der Inkontinenz tritt häufig bei Männern auf und wird entweder durch eine gutartige Vergrößerung der Prostata im Alter, wodurch die Harnröhre zugedrückt wird, oder durch einen bösartigen Tumor in der Harnröhre oder der Harnblase verursacht.

 

Behandlungsmöglichkeiten

Als erstes gilt es den Auslöser der Inkontinenz, wie schweres Übergewicht oder einen Östrogenmangel, zu erkennen und zu behandeln. Um schon während der Schwangerschaft eine bleibende Blasenschwäche danach zu verhindern, empfiehlt es sich, die Beckenbodenmuskulatur durch kontinuierliches Training zu stärken. Dafür eignet sich ein Beckenbodentrainer, der schon wenige Minuten täglich getragen die Muskulatur stärken kann.

Die Grundursache liegt häufig in einer Infektion des Harnweges, die vorrangig behandelt werden muss. Dabei sollten Medikamente, die eine Blasenentleerungsstörung verursachen können, unbedingt abgesetzt werden. Zusätzlich können Entspannungsübungen und festgelegte Zeiten zum Wasserlassen helfen, die Blase und damit den Harndrang zu kontrollieren.

Da sich die Gebärmutter bei Frauen im Alter häufig absenken und damit dauerhaft erhöhten Druck auf die Harnblase ausüben kann, kann die Entfernung der Gebärmutter in diesem Fall als letzter Schritt in Erwägung gezogen werden, um die Symptome erheblich zu mildern. Solch ein Schritt sollte jedoch gut überlegt sein und am besten mit einem Arzt diskutiert werden. Zur zusätzlichen Entlastung vor bzw. während dieser Maßnahmen kann ein Katheter zum Wasserlassen gelegt werden.

Bei fortgeschrittener Inkontinenz – egal in welchem Alter – kann oft nur noch ein chirurgischer Eingriff helfen. Durchgesetzt hat sich hier die Methode, bei der ein sogenanntes TVT-Plastik, ein Kunststoffband, um die Harnröhre gelegt wird, um dort den Harndrang zu regulieren.

 

Probleme und Hilfe

Neben einem generellen Unwohlsein kann Inkontinenz weitere Krankheiten auslösen. Oft klagen Betroffene über wunde Haut im Genitalbereich und unangenehme Gerüche. Mit einem Intimpflege-Balsam können sie Juckreiz lindern und Gerüche vermeiden. Auch klassische Saugeinlagen in der Unterwäsche helfen dabei, den ungewollt abgegebenen Urin sicher aufzunehmen und sichtbare Zeichen zu verhindern. Die Einlagen gibt es in verschiedenen Größen und Ausführungen für Frauen und auch für Männer. Für dauerhafte und starke Inkontinenz gibt es auch spezielle Slips, die bereits über eine eingearbeitete Saugeinlage verfügen und somit für optimalen Auslaufschutz sorgen sowie jegliche Gerüche absorbieren.

Bei einer andauernden Inkontinenz ist es zudem ratsam, Bett und Matratze mit einer Inkontinenz-Unterlage vor dem auslaufenden Urin oder auch Schweiß und Blut zu schützen. Die Schutzbezüge können bei 95 Grad gewaschen werden und sorgen somit für die nötige Hygiene.

 

Behandlungsmethoden

Therapiemethoden mit elektromagnetischen Impulsen können eine Besserung der Symptome herbeiführen. Hierbei werden mit Hilfe von Reizen die Muskeln im Beckenboden trainiert. Der Patient selbst kann die Erfolge auf dem Gerät ablesen. Bei dieser Behandlung sind regelmäßige Kontrollen durch den Arzt unerlässlich.

Alternative Anwendungen wie Akupunktur, Wärmebehandlungen oder Reflexzonenmassagen können durchaus erfolgversprechend sein.

 
  • Akupunktur kann bei einer Inkontinenz helfen, die funktionelle Ursachen hat. Nach der Lehre der Akupunktur ist jedem Organ ein bestimmter Punkt am Körper zugeordnet, durch den es stimuliert werden kann. Gegen Blasenschwäche soll die Aktivierung der Punkte für die Nieren und der Harnblase zum Erfolg führen.
  • Durch die Wärmebehandlung sollen die Muskulatur entspannt und die Durchblutung im Becken verbessert werden. Diese Behandlungsmethode gibt es in Form von Moorpackungen oder -bädern, Thermalbädern oder Badewasser, das mit verschiedenen Pflanzenwirkstoffen angereichert wird.
  • Bei der Reflexzonenmassage wird gegen Inkontinenz meist die Bindegewebsmassage gewählt. Hierbei werden, ähnlich wie bei der Akupunktur, bestimmte Zonen des Körpers mit den inneren Organen in Verbindung gebracht. Der Blase ist ein kleiner Knochen zwischen Wirbelsäule und Becken zugeordnet, der durch Massagen zu einer Regulierung der Blasentätigkeit führen soll.
  • Eine Operation sollte, wie bei allen Krankheiten, wirklich der letzte Schritt sein, denn chirurgische Eingriffe bergen immer auch ein hohes Risiko – gerade im höheren Alter.
 

Sechs Tipps gegen Inkontinenz


 

Beckenbodengymnastik

Mit Hilfe bestimmter Übungen lässt sich die Beckenbodenmuskulatur gezielt trainieren. Diese Übungen können Sie zu Hause ohne große Anstrengungen in Ihren Alltag integrieren und so dem Harndrang entgegenwirken.

Wir zeigen Ihnen drei leichte Übungen, mit denen Sie die Beckenbodenmuskulatur stärken können.

1. Übung: Der Schmetterling

Die Übung ist eine Abwandlung einer beliebten Yogaposition. Setzen Sie sich auf den Boden und verschränken Sie die Beine im Schneidersitz. Drücken Sie nun vorsichtig Ihre Knie Richtung Boden, bis ein leichter Zug in der Hüfte einsetzt. Halten Sie die Position für 5 Sekunden und lösen Sie dann vorsichtig. Drei Wiederholungen sind optimal.

Wenn Sie sich flexibel genug fühlen, können Sie diese Übung auch ausführen, indem Sie die Fußsohlen aneinanderlegen. Dies entspricht der klassischen Schmetterlingshaltung aus dem Yoga.


 

 

 

 

2. Übung: Beinheben

Legen Sie sich auf den Rücken und strecken Sie die Beine aus. Heben Sie nun langsam beide Beine an und halten Sie sie kurz in der Luft. Wenn das zu schwierig ist, können Sie auch nacheinander erst das linke Bein anheben, und danach das rechte. Die Übung trainiert die unteren Bauchmuskeln und auch die Beckenbodenmuskulatur.


 

3. Übung: Knie anziehen

Auch für diese Übung legen Sie sich flach auf den Boden. Ziehen Sie abwechselnd ein Knie zu sich heran und halten Sie dieses vor der Brust. Wechseln Sie danach die Seite. Wiederholen Sie jede Seite noch zwei Mal.


 

 

4. Übung: Hüftöffner

Diese Übung erfordert etwas Gleichgewicht. Legen Sie sich auf den Rücken und bringen Sie die Beine gestreckt in die Luft. Öffnen Sie nun langsam die Beine zu den Seiten und halten Sie sie in der Luft. Wenn Sie mögen, fassen Sie die Füße. Schließen Sie die Beine wieder in der Luft um zu entspannen. Die Übung kann auch mit angewinkelten Beinen durchgeführt werden, hierbei ist es angenehm, die Knöchel zu umfassen. Wiederholen Sie die Übung noch zwei Mal.

 

Wiederholen Sie die Übungen drei bis vier Mal pro Woche für eine gestärkte Beckenbodenmuskulatur und ein gutes Körpergefühl.

 
 

 

Ausdauersport

Sport hält den Körper im Allgemeinen fit und agil und kann damit auch der Blasenschwäche entgegenwirken. Besonders geeignete Sportarten, die Sie auch bei bereits bestehender Inkontinenz bedenkenlos betreiben können, sind Walken, Schwimmen, Pilates und Yoga. Auch für Menschen, die kein regelmäßiges Sportprogramm absolvieren, gibt es praktische Hilfsmittel und einfache Übungen. Praktische Teleskop-Trekkingstöcke können das Walking angenehm unterstützen, während Sie mit einem Mini-Trainer auch zu Hause auf dem Sofa Ihre Beinmuskulatur stärken können. Dieses Training können Sie einzeln oder ergänzend zum Sport im Freien absolvieren.

 

Gewicht reduzieren

Um die Beschwerden zu mindern, ist keine Radikal-Diät erforderlich. Schon fünf bis zehn Prozent weniger Körpergewicht entlasten den Beckenboden und können – kombiniert mit sportlicher Betätigung – helfen, das unangenehme Leiden in den Griff zu bekommen.

 
 

Auf eine gesunde Lebensweise achten

Trotz Inkontinenz ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Außerdem stärkt eine ausgewogene Ernährung den Verdauungstrakt. Auch eine aufrechte Körperhaltung trägt zu einer starken Beckenmuskulatur bei, die im Kampf gegen Inkontinenz große Bedeutung hat. Nehmen Sie sich im Alltag immer wieder Zeit, um sich zu entspannen und Ihren Körper zu entlasten. Und wenn Sie einen schweren Gegenstand heben, achten Sie unbedingt darauf, in die Hocke zu gehen und den Rücken gerade zu halten. In dieser Position und mit angespannter Beckenbodenmuskulatur halten Sie den Druck auf die Blase gering.

 

Blasentraining

Trainieren Sie Ihre Blase, indem Sie dem Harndrang nicht immer sofort nachgeben und auf die Toilette gehen, sondern jedes Mal ein paar Minuten einhalten. Steigern Sie diesen Zeitraum der Verzögerung von Mal zu Mal, damit Ihre Blase lernt, den Harndrang zu kontrollieren.

 

Schützen Sie sich vor Infektionen

Da eine Harnwegsinfektion zu den häufigsten Ursachen der Inkontinenz zählt, sollten Sie diese möglichst vermeiden. Setzen Sie sich nicht auf kalte Oberflächen und halten Sie Ihren Unterkörper stets ausreichend warm. Frauen sollten nach dem Geschlechtsverkehr zeitnah die Toilette aufsuchen, um eventuelle Krankheitserreger auszuspülen.