Blutdruck richtig messen und interpretieren

Eine Blutdrucktherapie fängt bereits beim Messen des Blutdrucks an, schließlich ist das Ermitteln der exakten Werte wichtigste Voraussetzung für die korrekte Interpretation und das anschließende Bestimmen von geeigneten Maßnahmen. Lesen Sie in diesem Artikel, was Sie beim Blutdruckmessen beachten müssen, wie Sie Ihre Werte richtig lesen und wie weitere Schritte aussehen können. Als Hilfestellung finden Sie hier auch einen Blutdruckpass zum Ausdrucken, in dem Sie Ihre Blutdruckwerte übersichtlich notieren können und stets zur Hand haben.

Die Blutdruckmessung

Während der Blutdruck noch bis ins 19. Jahrhundert hinein nur direkt gemessen werden konnte, also mittels einer Messsonde, die in die Arterien eingeführt wurde, kann der Blutdruck heutzutage glücklicherweise zumeist über die sogenannte unblutige Methode gemessen werden. Die Grundlage dafür schuf das vom italienischen Arzt Scipione Riva-Rocci erfundene Blutdruckmessgerät, weswegen man heute vom Blutdruck nach RR (Riva-Rocci) spricht. Häufig werden dafür eine Oberarmmanschette und ein Stethoskop verwendet, moderne elektronische Blutdruckmessgeräte für den Heimgebrauch sind mit einer Manschette mit integriertem Sensor sowie einem Display ausgestattet und messen den Blutdruck auf Knopfdruck automatisch.
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So wird die Blutdruckmessung durchgeführt

Da moderne elektronische Blutdruckmessgeräte das Messen weitestgehend automatisch erledigen, möchten wir Ihnen im Folgenden erläutern, wie die klassische Blutdruckmessung mithilfe einer Manschette und eines Stethoskops durchgeführt wird.

  1. Dafür wird die Manschette eng um den Oberarm gelegt und verschlossen – die untere Kante sollte dabei etwa 2,5 Zentimeter über der Ellenbeuge liegen.
  2. Anschließend wird der Schallkopf des Stethoskops, mit dessen Hilfe während der Messung der Puls kontrolliert wird, in der Ellenbeuge aufgelegt.
  3. Die Manschette ist über einen Schlauch mit einer Pumpe und einem Manometer, also einem Druckmessgerät, verbunden – mithilfe der Pumpe wird die Manschette nun zügig aufgepumpt, bis kein Puls mehr zu hören ist, und noch etwas darüber hinaus. Der auf dem Manometer angezeigte Druck sollte bei etwa 200 mmHg liegen.
  4. Anschließend wird die Luft aus der Manschette langsam abgelassen: Sobald das erste Pulsgeräusch erscheint, kann der systolische Wert des Blutdrucks vom Manometer abgelesen werden. Das letzte hörbare Geräusch gibt den diastolischen Wert an.

Bei der Messung mit einem elektronischen Blutdruckmessgerät ist kein Stethoskop vonnöten. Das Gerät pumpt die Manschette selbstständig auf und registriert während des Luftablassens das Pulsieren der Arterie. Es sind dabei keine Pulsgeräusche zu hören und die errechneten Werte werden im Anschluss automatisch auf dem Display des Blutdruckmessgerätes angezeigt.

elektronisches Handgelenk-Blutdruckmessgerät von Beurer

Wenn Sie für die Messung ein Handgelenk-Blutdruckmessgerät verwenden, wird die Manschette nicht am Oberarm, sondern am Handgelenk angelegt und zwar mit dem Display auf der Arminnenseite. Der Sensor sollte einen Fingerbreit vom Handgelenk entfernt sein. Der Ellbogen wird locker auf einer Unterlage abgestützt und die Hand liegt auf der Schulter – so befindet sich das Gerät auf Herzhöhe, der optimalen Höhe für eine korrekte Messung.

Die modernen Blutdruckmessgeräte registrieren in der Regel nicht nur den Blutdruck selbst, sondern auch den Puls und sind darüber hinaus dazu in der Lage, die Blutdruckwerte gemäß der von der Weltgesundheitsorganisation WHO eingeführten Richtlinien einzustufen und eventuelle Herzrhythmusstörungen zu erkennen. Weitere Infos zu diesen Richtlinien finden Sie im Abschnitt über die Einteilung des Blutdrucks.

Was genau passiert bei der Blutdruckmessung?

Um zu verstehen, wie die Werte bei der Messung des Blutdrucks zustande kommen, kann es hilfreich sein, sich die physikalischen Grundlagen genauer anzuschauen. Die Voraussetzung dafür, dass der Blutdruck mithilfe von Manschette und Stethoskop gemessen werden kann, ist die Tatsache, dass das Blut gleichmäßig durch die Arterien fließt. Man spricht hier von einer laminaren Strömung. Bei der Blutdruckmessung wird von außen eine Abweichung von dieser gleichförmigen Strömung erzeugt, indem die aufgepumpte Manschette das Blutgefäß verengt und so zu Turbulenzen im Blutstrom führt. Diese Turbulenzen sind es, die schließlich zu hören sind, wenn das Stethoskop am Arm angelegt wird.

Dafür wird die Arterie zunächst mithilfe der Manschette vollständig verschlossen und anschließend langsam geöffnet – sobald sie weit genug geöffnet ist, dass das Blut wieder durchströmen kann, tritt das sogenannte Korotkow-Geräusch auf, ein dumpfer, pulssynchroner Ton. Ist die Manschette vollständig geöffnet, sodass das Blut frei von Turbulenzen durch die Arterie strömen kann, verschwindet auch das Geräusch wieder.

Was Sie beim Blutdruckmessen beachten sollten

Um fehlerhafte Ergebnisse bei der Blutdruckmessung zu vermeiden, sollten Sie einige Dinge beachten:

Der Blutdruck sollte nicht einmalig, sondern mehrmals und möglichst regelmäßig gemessen werden, um verlässlich interpretiert werden zu können. Es kann sinnvoll sein, zusätzlich zu den Werten Notizen zu machen, ob zum Zeitpunkt der Messung besondere Umstände vorlagen, zum Beispiel ein Infekt, eine veränderte Ernährung oder der Messung vorausgehende sportliche Betätigung.

elektronisches Handgelenk-Blutdruckmessgerät und Tabletten-Packungen

Ein hoher Blutdruck am Morgen gilt als besonders gefährlich, weshalb Sie eine Messung immer morgens durchführen sollten. Im Idealfall erfolgt eine zweite Messung am Abend. Sollten Sie blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, so ist es sehr wichtig, die morgendliche Messung vor der Einnahme durchzuführen.

Sie sollten vor dem Messen keinen Kaffee, Schwarztee oder andere koffeinhaltige Getränke konsumieren, da diese den Blutdruck ansteigen lassen. Auch Alkohol kann die Messergebnisse verfälschen – direkt nach dem Alkoholgenuss sind sie zunächst niedriger, während der Blutdruck nach einer Weile ansteigt und dann höher als normal ist. Nikotin kann den Blutdruck ebenfalls beeinflussen.

Vor dem Messen sollten Sie einige Minuten in Ruhe sitzen und jegliche Anstrengung vermeiden, da diese die Werte verfälschen kann. Auch Aufregung kann den Blutdruck beeinflussen, wie zum Beispiel bei der Weißkittelhypertonie – wenn Sie Angst vor zu hohen Werten haben, hilft es Ihnen womöglich, während der Messung nicht auf das Display zu schauen und zu versuchen, an etwas Positives zu denken.

Auch während des Messens sollten Sie sich möglichst ruhig verhalten und es vermeiden, zu sprechen, zu lachen, zu husten oder große Bewegungen durchzuführen. Nehmen Sie für die Messung eine liegende oder sitzende Position ein.

Zwar ist es egal, an welchem Arm Sie die Messung durchführen, grundsätzlich sollten Sie aber immer an demselben Arm messen, da die Werte von Arm zu Arm variieren können. Dabei empfiehlt es sich, die erste Messung nacheinander an beiden Armen durchzuführen und künftig den Arm zu wählen, an dem die höheren Werte gemessen wurden, da diese für die Beurteilung entscheidend sind.

Patient misst Blutdruck selbstständig mit Oberarm-Blutdruckmessgerät mit Manschette auf Herzhöhe

Das Blutdruckmessgerät muss auf der nackten Haut aufliegen, bei der Messung am Handgelenk sollten Schmuck und/oder Armbanduhr abgenommen werden. Außerdem sollte sich das Gerät während der Messung in Herzhöhe befinden: Bei Oberarm-Blutdruckmessgeräten ist das automatisch der Fall, während der Unterarm bei der Messung mit einem Handgelenk-Blutdruckmessgerät an den Körper herangezogen werden sollte, sodass die Hand locker auf der Schulter liegt.

Die Manschette muss entsprechend Ihres Armumfangs ausgewählt werden. Schwangere und übergewichtige Menschen haben in der Regel dickere Handgelenke bzw. Oberarme, sodass die Manschette nicht richtig sitzt und die Sensoren nicht zuverlässig messen können.

Unter Beachtung dieser Punkte sollten Sie in der Regel erfolgreich Ihren Blutdruck bestimmen können. Dennoch kann es natürlich immer aufgrund interner und externer Faktoren zu verfälschten Werten und Messfehlern kommen – sollten Sie sich wegen Ihrer Werte unsicher sein, so konsultieren Sie bitte Ihren Arzt. Er ist dazu in der Lage, die Werte fachgerecht zu beurteilen und, falls nötig, auch entsprechende Maßnahmen einzuleiten.